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Okt 16 2023
15:41

Interdisziplinäre Vorlesungsreihe stellt das Aufgabenfeld moderner Rechtsmedizin vor

Warum die Rechtsmedizin den Lebenden hilft

Verkehrsdelikte unter Alkohol, Vaterschaftstests, spektakuläre Todesfälle – das Arbeitsfeld der Rechtsmediziner ist riesig. Was unterscheidet Rechtsmediziner von Pathologen? Und warum muss ihr Team interdisziplinär besetzt sein? Die Vortragsreihe gibt Auskunft über Basisthemen und neuere Forschungserkenntnisse der Rechtsmedizin.

FRANKFURT. Plötzlicher Herztod, häusliche Gewalt, spektakuläre Todesfälle – die Vortragsreihe „Interdisziplinäre Rechtsmedizin“ erklärt, warum das Fach nicht nur mit Recht und Medizin zu tun hat. Denn um Vaterschaftstests erfolgreich durchzuführen, DNA-Spuren bei Kriminalfällen richtig zu diagnostizieren und Todesursachen zu klären, braucht es interdisziplinäre Teams – Mediziner, Pharmazeuten, Molekularbiologen, Botaniker, Chemiker, Physiker und Juristen arbeiten bei der Lösung von Fällen eng zusammen. Und sie brauchen ihrerseits noch die Expertise weiterer Disziplinen – etwa der Psychologie, Sozialwissenschaft, Zahnmedizin und Archäologie.

Die Vortragsreihe „Interdisziplinäre Rechtsmedizin“ stellt das breite Aufgabenfeld der Rechtsmedizin vor, berichtet vom neuesten Stand der Forschung – und klärt interessierte Laien über Mythen auf, die in Krimiserien über das Metier produziert werden.

Die Vorlesungsreihe „Interdisziplinäre Rechtsmedizin“ beginnt
am 17. Oktober 2023, um 18:15 Uhr
mit dem Vortrag
Tot ist tot. Oder nicht? Thanatologie – die Lehre vom Tod und seinen Erscheinungen
von Prof. Dr Marcel A. Verhoff und Dr. Lena Lutz, beide Goethe-Universität.

Die Vorträge finden statt jeweils dienstags am Universitätsklinikum Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Hörsaal 22-2.

Die Vorlesungsreihe behandelt die Basisthemen der Rechtsmedizin: von Leichenöffnungen zur Klärung der Todesursache über toxische Analysen und Abstammungstests bis hin zur DNA-Diagnostik an Spuren. Dabei spielen auch die Schwerpunkte der Frankfurter Rechtsmedizin eine Rolle: etwa die forensische Osteologie, also die Untersuchung und Beurteilung aufgefundener Knochen; ebenso die Entomologie, deren Frankfurter Expertise bundesweit und darüber hinaus gefragt ist - sie bestimmt das Alter von Insekten, die auf Leichen gefunden werden, um Hinweise auf den Todeszeitraum zu erhalten; und schließlich die DNA-Analyse beim plötzlichen Herztod: Wenn Autopsie und toxikologische Analysen keine Todesursache erkennen lassen, kann die „molekulare Autopsie“, also die genetische Analyse von Blutproben eines Toten auf ein angeborenes Risiko für den plötzlichen Herztod hinweisen.

Diese Erkenntnis hilft wiederum den Lebenden: Nahe Verwandte eines am plötzlichen Herztod Verstorbenen können sich auf den Gendefekt untersuchen und gegebenenfalls medikamentös behandeln lassen.

Im Verlauf der neuen Vortragsreihe werden nicht nur einzelne Themen der Rechtsmedizin behandelt, sondern auch ihr Zusammenspiel bei Fallanalysen aufgerollt: Begleitet wird ein Fall mit allen beteiligten Expertinnen und Experten in einem ersten Schritt vom Tatort, der Spurensicherung bis hin zur Obduktion; im zweiten Teil wird dann die Vernehmung über die Anklage, die Hauptverhandlung bis zum Urteil verfolgt. Das Ende der Vortragsreihe bildet das Thema „Rechtsmedizin in den Medien“, voraussichtlich mit einem prominenten Vertreter der Zunft.

Die Vorträge im Einzelnen:

17. Oktober
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, Dr. Lena Lutz
Tot ist tot. Oder nicht? Thanatologie – die Lehre vom Tod und seinen Erscheinungen

24. Oktober
PD Dr. Mattias Kettner, Dr. Constantin Lux
Wenn Leichen sprechen: Was Leichenschau und Obduktion über die Todesursache verraten

31. Oktober
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, Prof. Dr. Constanze Nieß
„Das war doch nur ein harmloser Sturz“! Häusliche Gewalt und Kindesmisshandlung – die klinische Rechtsmedizin als Beweismittel

7. November
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, Prof. Dr. Constanze Nieß
Wenn nur noch Knochen übrig sind – forensische Anthropologie und Osteologie

14. November
Prof. Dr. Richard Zehner
Möglichkeiten und Grenzen der forensischen DNA-Analyse

21. November
Prof. Dr. Stefan Tönnes, PD Dr. Alexander Paulke
Zwischen Rausch und tödlicher Vergiftung: Nachweis und Beurteilung in der Forensischen Toxikologie

28. November
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, Prof. Silke Kauferstein
Von den Toten für die Lebenden: Wie Obduktionen Leben retten, u.a. am Beispiel des plötzlichen Kindstodes und der Herzgenetik (Molekulare Autopsie)

5. Dezember
Prof. Dr. Markus Parzeller, Dr. Natascha Kern
Der vergessene Tupfer nach einem medizinischen Eingriff - (K)ein Behandlungsfehler?!

12. Dezember
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff
Betrunken von einem Glas Sekt? Alkohol, unser „täglich Brot“

19. Dezember
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff
„Der Strom kommt aus der Steckdose“, „der Ertrinkende reißt immer die Arme hoch“ – Stromtod und Tod im Wasser

16. Januar 2024
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, Dr. Constantin Lux
Die Verletzungen lesen – Formen der Gewalt; Schuss

23. Januar   
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, PD Dr. Mattias Kettner
Interdisziplinärer Fall Teil I: Tatort, Spurensicherung, Blutspuren, Obduktion

30. Januar   
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, PD Dr. Mattias Kettner
Interdisziplinärer Fall Teil II: Vernehmung, Anklage, Hauptverhandlung, Urteil

6. Februar    
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff
Dichtung und Wahrheit – Rechtsmedizin in den Medien

Veranstaltet wird die Vorlesungsreihe vom Institut für Rechtsmedizin der Goethe-Universität.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Marcel A. Verhoff
Direktion - Institut für Rechtsmedizin
Goethe-Universität 
Telefon: +49 69 6301-7553 (Sekretariat)
E-Mail : anna.mueller@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de